Geschichte der Gemeinde Oberasbach
Die Entstehung unserer Gemeinde in Oberasbach fällt in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche. Innerhalb weniger Jahrzehnte veränderten die Schrecken der beiden Weltkriege das Gesicht der Welt nachhaltig.
Im Jahr 1914 ließ sich der Landwirt Georg Drechsler aus Kreutles in Nürnberg taufen und wurde damit der erste Siebenten-Tags-Adventist im Raum Oberasbach. Durch den Zuzug weiterer Glaubensgeschwister aus der Stadt bildete sich Ende der zwanziger Jahre in Unterasbach eine lose Gruppe von etwa 8 bis 16 Adventisten. Die regelmäßigen Versammlungen fanden zunächst in Privatwohnungen, später in einem Gartenhaus statt.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Gemeinschaft durch Taufen und adventistische Kriegsflüchtlinge auf 50 bis 80 Personen an. Dies führte schließlich 1946 zur Gründung einer Adventgemeinde in Unterasbach. Die stark gestiegene Zahl an Gemeindegliedern überstieg jedoch bald die Platzkapazitäten der weiterhin genutzten privaten Räumlichkeiten.

Im Jahr 1948 begannen erste Planungen für den Bau einer eigenen Kapelle. Neben großem Engagement fehlte es jedoch an fast allem: Ein geeignetes Grundstück war noch nicht in Sicht, und angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage war keine finanzielle Unterstützung seitens der Kirche zu erwarten.
1949 erlaubte Georg Drechsler schließlich den Bau der Kapelle auf einem seiner Grundstücke – jenem Grundstück, auf dem unsere Kapelle auch heute noch steht. Die benötigten finanziellen Mittel wurden vollständig von den Mitgliedern der jungen Gemeinde aufgebracht. Viele spendeten dafür ihr gesamtes Startgeld von 40 D-Mark, das im Zuge der Währungsreform an jeden Bürger ausgezahlt worden war.
Damit waren die Voraussetzungen für den Bau geschaffen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. April 1949. In der Folgezeit wurden in der Scheune von Georg Drechsler aus Sand und Zement hunderte Steine in Eigenleistung hergestellt. Da keine geeigneten Kanthölzer für den Dachstuhl zur Verfügung standen, wurden Dachlatten paarweise zusammengenagelt und als Dachbalken verwendet – eine Konstruktion, die bis heute jedem Sturm standgehalten hat.

Die Entstehung der offiziellen Adventgemeinde Oberasbach war eingebettet in eine bewegte Zeit der Weltgeschichte.
Es war die Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, zugleich verschärften sich die Spannungen zwischen den westlichen Siegermächten und der Sowjetunion. Die Währungsreform von 1948, bei der die Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt wurde, führte als Reaktion zur Berlin-Blockade. Hunderttausende eingeschlossene Menschen wurden in dieser Zeit durch die bekannten Rosinenbomber aus der Luft mit dem Nötigsten versorgt. Der Riss zwischen Ost und West vertiefte sich, der Kalte Krieg begann.
Während sich diese Ereignisse auf der großen Weltbühne abspielten, schlug in Unterasbach eine kleine Kirchengemeinde ihre Wurzeln. Die Anfänge waren einfach und bescheiden. Geheizt wurde die Kapelle durch einen Ofen in einem heute nicht mehr vorhandenen Kellerraum auf der Westseite des Gebäudes, der regelmäßig von eindringendem Grundwasser befreit werden musste. Um die Kapelle im Winter rechtzeitig zu erwärmen, begannen die Vorbereitungen für den Gottesdienst oft schon um fünf Uhr morgens. Gesessen wurde auf ungepolsterten Holzbänken.
Im Laufe der Jahre veränderte sich auch das Grundstück mehrfach. So wich ein im Zweiten Weltkrieg genutzter Feuerlöschteich dem heutigen Parkplatz. Das zugehörige Feuerwehrgerätehaus ist bis heute an der Zufahrt zum Grundstück erhalten.
Am 23. November 1959 ging das Grundstück durch die Erben von Georg Drechsler an den Süddeutschen Bauverein über, die Liegenschaftsverwaltung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Süddeutschland.
Bereits 1960 wurde die Kapelle erweitert. Mit Materialkosten von 6.700 D-Mark und umfangreicher handwerklicher Eigenleistung entstand ein Jugendraum, der heute als Garderobe genutzt wird.


Im Jahr 1981 wurde ein auf dem Grundstück befindliches Wohnhaus aus den fünfziger Jahren zu einem Gemeindezentrum mit Hausmeisterwohnung ausgebaut. Die neu geschaffenen Räumlichkeiten – zwei Mehrzweckräume, eine Küche sowie zwei Räume für die Kinderarbeit – wurden für vielfältige Aktivitäten genutzt. Über viele Jahre fanden dort unter anderem Kochkurse des Deutschen Vereins für Gesundheitspflege (DVG) statt.
In Verbindung mit dem großen Garten entwickelten sich zunehmend auch Angebote im Außenbereich. Dazu gehörten regelmäßige Kinder- und Jugendfeste, Zeltlager der Pfadfinder sowie Mutter-Kind-Treffen.


In den Jahren 2013 und 2014 wurden die Räumlichkeiten in beiden Gebäuden umfassend renoviert. Zudem wurden Bäume und Sträucher auf dem Gelände zurückgeschnitten, wodurch eine offenere und freie Sicht auf die Gebäude entstand.
Auch heute werden die Mehrzweckräume regelmäßig für öffentliche Veranstaltungen und unterschiedliche Aktivitäten genutzt. Sobald das Wetter es zulässt, wird auch der Garten weiterhin gerne von Groß und Klein genutzt.
